Menschen bei einer friedlichen Demonstration in Oldenburg
Meine Sichtweise

Die Macht, die wir haben

Ständig werden wir mit Problemen unfassbaren Ausmaßes konfrontiert – ob nun mit dem Klimawandel, der Hungersnot in armen Ländern, mit Menschen, die auf ihrer Flucht sterben, mit Korruption, Diskriminierung oder moderner Sklaverei. Oft bleibt das Gefühl, dass wir gegen „die da oben“ oder gegen weit entfernte Probleme wie Klimakatastrophen in afrikanischen Ländern kaum etwas ausrichten können. Das alles ist weit weg, wir sind zu unbedeutend und machtlos.

Ich glaube nicht, dass das stimmt.

Wir geben jeden Tag, mit jedem Kauf, mit jeder Entscheidung ein Statement ab, in was für einer Welt wir leben möchten. Jeder von uns hat die Möglichkeit, sich für die Welt einzusetzen, die er oder sie für richtig hält. Wir müssen nicht auf Kosten anderer leben. Wir müssen auch nicht unnötig unsere Umwelt mit Müll und Abgasen vollpumpen. Jeder von uns hat die Wahl. Jeder von uns hat eine Stimme. Jeder von uns kann etwas ändern.

Natürlich mag man sich klein vorkommen, als einer von mehr als 7,5 Milliarden. Man könnte meinen, es mache keinen Unterschied, wie man als Einzelner handelt. Bewegungen und Veränderungen in einer Gesellschaft können jedoch erst zustande kommen, wenn es Menschen gibt, die für ihre Ziele aufstehen und nach ihren Werten handeln. Keine Bewegung hätte je stattgefunden, wenn wir uns davon abhalten lassen würden, dass wir nur einer von vielen sind.

Gemeinsam wiegt unser Handeln etwas. Gemeinsam können wir die Welt ein Quäntchen besser machen. Davon bin ich fest überzeugt.

Ist das jetzt naiv?

Was mich daran glauben lässt, sind Beispiele wie diese:

Droht eine Überflutung, kommen Anwohner und Helfer, um Sandsäcke an die Ufer zu tragen und so den Fluten eine Grenze zu bauen. Ein Sandsack allein wird dabei wenig ausrichten können. Doch die Helfer kommen trotzdem. Warum? Sie verlassen sich darauf, dass auch andere kommen, um einen Sandsack zu bringen. Und alle Sandsäcke gemeinsam bilden schließlich eine sichere Barriere, die Hab und Gut, Mensch und Tier vor dem Wasser schützt.

Eine herausragende Person, die alles für die Realisierung ihrer Werte gibt, ist Malala Yousafzai. Als jüngste Friedensnobelpreisträgerin in der Geschichte kämpft sie für das Bildungsrecht für Mädchen wie wohl kaum eine andere. Mit ihrem Blog und später mit ihrem Buch erreichte sie Menschen auf der ganzen Welt. In ihrer Friedensnobelpreisrede sagte sie selbst:

„I tell my story, not because it is unique, but because it is not. It is the story of many girls. […] I am those 66 million girls who are deprived of education. And today I am not raising my voice, it is the voice of those 66 million girls.”

Und Malala rief die Menschen auf:

“Dear sisters and brothers, dear fellow children, we must work… not wait. Not just the politicians and the world leaders, we all need to contribute. Me. You. We. It is our duty.”

Ein noch aktuelleres Beispiel ist die ebenfalls junge Aktivistin Greta Thunberg. Mit gerade einmal 15 Jahren begann sie, als Einzelkämpferin gegen den Klimawandel und gegen die zu lasche Klimapolitik zu demonstrieren. Sie inspirierte nach und nach immer mehr junge Menschen dazu, für einen besseren Klimaschutz auf die Straße zu gehen. Inzwischen finden Demonstrationen von Schülern in vielen Ländern der Welt statt – nur weil ein Mädchen in Schweden freitags die Schule schwänzt, um sich für eine bessere Welt einzusetzen.

Veränderungen beginnen im Kleinen

Natürlich sind die beiden jungen Frauen sehr herausragende Persönlichkeiten. Nicht jeder kann und will eine solche Rolle einnehmen, wie sie es tun. Doch was wirklich jeder von uns kann, ist sich bewusst für solche Dinge zu entscheiden, die er oder sie für richtig oder zumindest für besser hält: Beispielsweise für einen Ökostrom-Anbieter, für den Fairtrade-Kakao, für das Fahrrad, für unverpackte Lebensmittel. Und in manchen Situationen ist es auch wichtig, dass wir uns positionieren: Gegen Rechtsextremismus, gegen Rassismus, Sexismus und Diskriminierung. Und für Toleranz, Menschlichkeit und Gleichberechtigung.

Steht für eure Werte auf. Geht zu Demonstrationen. Runter von der Couch, raus auf die Straße. Denn wenn wir nicht einmal selbst nach unseren Werten leben und handeln, wie soll unsere Welt dann je zu einem Ort werden, in der wir solche gemeinschaftlich tragen?

Ein Kommentar

  • Sascha Tebben

    Liebe Kira,

    Du sprichst damit ein sehr wichtiges und dringendes Thema an! Viel zu häufig muss ich mir anhören, dass dies oder jenes überhaupt nicht funktionieren kann, weil zunächst andere größere und wichtigere Themen und Probleme behandelt werden sollten! Jeder scheint sich selbst am nächsten zu sein. Nichts desto trotz, treffe ich immer häufiger auch Menschen die für solch eine Veränderung offen sind und sich Gedanken machen wie sie die Welt verlassen oder auch für Kinder und Enkel hinterlassen wollen. Das bestärkt mich in der Annahme, dass es so ist wie du es schreibst: Veränderung fängt im Kleinen an!

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