Obst, Gemüse und weitere veganen Lebensmittel
Ernährung & Umwelt,  Meine Sichtweise

Ein Monat streng vegan – mein Fazit

Manche haben es vielleicht über Instagram oder im Gespräch mit mir mitbekommen: Im September habe ich mich einen Monat lang streng vegan ernährt. Ansonsten esse ich vegetarisch und versuche zumindest weitestgehend auch auf Milchprodukte und Eier zu verzichten. Dennoch wollte ich gerne die Erfahrung machen, gänzlich ohne tierische Produkte auszukommen.

Veganes Porridge mit Banane, Sonnenblumenkernen, Nüssen und Schokolade
Veganes Porridge (Foto: Kira Jacobs)
Gemüsepfanne mit Baguette
Schnell und einfach: Gemüsepfanne mit Baguette (Foto: Kira Jacobs)
Roher, veganer Energyball
Roh und vegan: Energyballs (Foto: Kira Jacobs)
Gemüsepfanne mit Kroketten
Leckeres Reste verkochen (Foto: Kira Jacobs)
Porridge mit Blaubeeren, Apfel und Nüssen
... noch mehr Porridge (Foto: Kira Jacobs)

Wie ich zur Vegetarierin wurde

Ich denke, dass eine sofortige Umstellung von einer Ernährung mit tierischen Produkten und auch Fleisch hin zu einer rein pflanzlichen Ernährung sehr radikal ist. Ich weiß nicht, ob ich einen veganen Monat noch vor einem Jahr durchgehalten hätte. Die Ernährungsumstellung ist bei mir eher in einem Prozess verlaufen: Vor etwa einem Jahr habe ich angefangen, mich mehr mit meiner Ernährung auseinanderzusetzen. Wo kommt mein Essen her? Was für ein Leben hatten die Tiere, die letztlich auf meinem Teller gelandet sind? Ich war zu dem Zeitpunkt noch nicht besonders informiert und doch hatte ich den Eindruck, dass so manches falsch laufen muss in unserem Umgang mit Nutztieren, wenn man 600 Gramm Hähnchenbrustfilet für nur 3,89 Euro kaufen kann. Also habe ich mich entschieden, erst einmal testweise sechs Monate lang vegetarisch zu leben, beginnend an Weihnachten 2017. Noch an den Weihnachtsfeiertagen habe ich mir die Dokumentation „Cowspiracy“ angesehen und in dem Moment war mir klar, dass ich nach den sechs Monaten nicht zurück zum Fleischkonsum kehren würde.

Von vegetarisch zu vegan

Obwohl ich dann also auf Fleisch und Fisch verzichtete, habe ich dennoch Milchprodukte konsumiert – insbesondere Magerquark und Naturjoghurt. Das lag vor allem daran, dass ich viel Fitnesssport mache und solche Produkte dort als geradezu unverzichtbar angepriesen werden, wenn man Fortschritte machen möchte.

Wer einmal genauer hinsieht, wird jedoch feststellen, dass auch hier Tiere nicht so gehalten werden, wie man es sich wünschen würde. Männliche Küken, die lebendig geschreddert werden, oder auch einfach nur der romantische Gedanke, dass Tiere in ihrem natürlichen Lebensumfeld leben sollten – und das ist nun mal draußen und nicht auf einem Spaltenboden – brachten mich dazu, dass ich auch meinen Konsum von Milchprodukten und Eiern reduzierte. Für mich spielte hierbei auch eine Rolle, dass pflanzliche Produkte in der Regel klimafreundlicher in ihrer Herstellung sind.

Meiner Umstellung zur mehr und mehr veganen Ernährung war keine so bewusste Entscheidung voraus gegangen wie bei meinem Schritt zu einer vegetarischen Ernährung. Ich wechselte nach und nach von Naturjoghurt zu Sojajoghurt, kaufte statt Kuhmilch Hafermilch und fand auch für Magerquak Ersatzprodukte. Ich entschied mich für vegane Brotaufstriche anstelle von Käse und verbannte meine Proteinpulver – ebenfalls etwas, was in der Fitnessbranche angepriesen wird – aus meinem Schrank.

Der Testlauf: ein Monat streng vegan

Im August entschied ich dann, einen rein veganen Monat auszuprobieren. Da ich bereits zuvor pflanzliche Alternativen zu Milchprodukten gefunden hatte, fiel es mir nicht schwer. Lediglich bei weiterverarbeiteten Produkten musste ich es mir angewöhnen, stärker auf die Zutatenliste zu achten. Einige Lebensmittelmärkte kennzeichnen am Preisschild rein pflanzliche Produkte, was den Einkauf natürlich erleichtert. Mit der Zeit konnte ich wesentlich besser einschätzen, welche Lebensmittel vegan sind und wo ich lieber nochmal nachsehen sollte.

Vermisst habe ich in dem Monat eigentlich nichts. Vielmehr habe ich viele neue Rezepte ausprobiert – veganen Kuchen, Energyballs, veganes Porridge, Gemüsepfannen und vieles mehr. Und obwohl ich in diesem Monat ja eigentlich explizit auf Lebensmittel verzichtet habe, habe ich mich in dieser Zeit abwechslungsreicher ernährt als zuvor. Das lag daran, dass ich Essgewohnheiten aufbrechen musste und daher viele neue Rezepte ausprobiert habe.

Gerade wenn ich selbst gekocht oder mir Mittagessen für die Arbeit vorbereitet habe, gab es überhaupt kein Problem. Schwieriger wurde es jedoch, wenn ich woanders zum Essen eingeladen war. Auch bei der Wahl der Restaurants wird man eingeschränkt, denn nicht jedes bietet auch eine vegane Küche an. Und ganz selten habe ich dann doch auch mal Lust auf einen Crêpe auf dem Kramermarkt oder ein Buttercroissant zum Frühstück.

Was ich für die Zukunft gelernt habe

Daher habe ich für meine Zukunft einen Kompromiss gefunden: Im Alltag werde ich mich vegan ernähren. Wenn ich jedoch essen gehe und es gibt lediglich vegetarische Gerichte, dann werde ich auch mal Milchprodukte oder Eier essen. Und wenn mich mal die Lust auf ein Croissant überkommt, dann werde ich mir auch das kaufen, wenn auch vom Bio-Bäcker.

Ich halte es für in Ordnung, wenn man einen Kompromiss findet, der seinen Idealen nahe kommt, zugleich jedoch beinhaltet, dass man mit dieser Lebensweise gut leben kann, ohne das Gefühl zu haben, dass etwas fehlt.

Veganer sind auch nicht perfekt

Das bringt mich zu einem weiteren, mir wichtigen Anliegen:  Man muss nicht perfekt handeln, wenn man sich entscheidet, mehr Verantwortung im Alltag zu übernehmen. Oft ist der Druck auf solche Menschen enorm, weil sie selbst (und auch die Gesellschaft) an sich Erwartungen stellen: Wenn sich jemand zu einem bewussteren Lebensstil entscheidet, handelt die Person auf einmal falsch, wenn sie mit dem Flugzeug in den Urlaub fliegt, sich Fast-Fashion Mode kauft, sich doch auch mal ein Stück Käse gönnt – kurzum: Man stellt den Anspruch, dass die Person dann auch ganz konsequent das perfekte nachhaltige Leben führen muss. Das ist meiner Meinung nach nicht sehr korrekt, stellt viel zu hohe Erwartungen an die Person und ist zudem sehr bequem für alle, die nicht versuchen, ihr eigenes Konsumverhalten zu reflektieren und zu verbessern: Denn sie müssen sich nicht rechtfertigen, wenn sie täglich Fleisch essen, immer das billigste Lebensmittel kaufen, das zuvor um die halbe Welt gereist ist und unter alles andere als fairen Bedingungen hergestellt wurde, die jede Woche shoppen gehen, um die Kleidung vielleicht dreimal zu tragen und dann irgendwo im überdimensionierten Kleiderschrank verschwinden zu lassen.

Statt nur in Schwarz oder Weiß zu denken – Öko oder Nicht-Öko – sollten wir lieber Grautöne zulassen. Denn jeder Versuch, verantwortungsbewusster zu leben, ist es wert, gefördert zu werden. Und wenn das bedeutet, dass jemand, der sonst täglich Fleisch gegessen hat, jetzt nur noch einmal die Woche Fleisch isst und dafür dann Fleisch aus ökologischer Haltung kauft, dann ist es das doch eine Verbesserung. Würde jeder solche Entscheidungen treffen, die für ihn realisierbar scheinen, dann bin ich mir sicher, sähe die Welt schon ein ganzes Stück besser aus.

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