Ernährung & Umwelt

Klimawandel und Ernährung – was Du tun kannst

Woher kommen die Treibhausgasemissionen, die den Klimawandel vorantreiben? Wenn ich darüber nachdenke, fallen mir als erstes die großen Rauchwolken ein, die aus den Schornsteinen von Fabrikanlagen in die Umwelt entweichen, und ich muss auch an unsere vollen Straßen, an Flugzeuge und Schiffe denken. Das sind die Bilder, die gerne in Zeitung und Fernsehen gezeigt werden, wenn es um den Klimawandel geht. Da überlegt man es sich schon zweimal, ob der nächste Urlaub eine Kreuzfahrt oder ein Flug nach Thailand sein muss, oder ob es nicht doch auch ein Trip in die Niederlande tut. Weniger präsent als der Energiesektor und Verkehrsmittel ist eine weitere Hauptursache der Freisetzung von Treibhausgasen – in manchen Studien wird sie sogar als die größte Ursache herausgestellt: die Landwirtschaft. Über 7 Milliarden Menschen brauchen Lebensmittel zum Leben, die erst einmal hergestellt werden müssen.

Was einst die Aufgabe von Familienbetrieben mit kleinen Bauernhöfen war, hat sich im Zuge der immer weiter wachsenden Bevölkerung zu einem industriellen Geschäft entwickelt. Tausende, zehntausende oder sogar hunderttausende Tiere werden unter der Organisation riesiger Landwirtschaftsbetriebe gehalten. Beispielsweise entstehen weltweit immer mehr Hochhäuser für die Schweinehaltung: In Maasdorf, Sachsen-Anhalt, leben bis zu 3.000 Sauen und Ferkel verteilt auf sechs Etagen. In der Hähnchenmast sind Ställe mit über 10.000 Tieren üblich, um nur zwei Beispiele zu nennen. Für die Fütterung werden im großen Stil Weizen, Gerste und Mais angebaut. Dass die Ausmaße dieser Industrie nicht nur schlecht für das Tierwohl sind, sondern auch für das Klima, möchte ich euch gerne etwas näher bringen.

Gerste, die auf einem Feld wächst
Der größte Anteil des Getreides, das angebaut wird, landet im Futtertrog. (Foto: Kira Jacobs)

Wie groß sind die Klimakosten, verursacht durch die Landwirtschaft, tatsächlich?

Laut dem Weltagrarbericht entstehen 31 Prozent der Klimagasemissionen direkt durch die Landwirtschaft und die veränderte Landnutzung. Hinzu kommen Verarbeitung, Transport, Kühlung, Erhitzung, Zubereitung und Entsorgung von Lebensmitteln: So sind es insgesamt über 40 Prozent der Treibhausgase, die von der Landwirtschaft abhängig sind. Damit ist die Landwirtschaft ein entscheidender Faktor, der den Klimawandel verursacht und vorantreibt.

Vor allem die Produktion tierischer Nahrungsmittel ist besonders klimafeindlich: In einer Studie aus dem Jahr 2012 fand der WWF Deutschland heraus, dass tierische Produkte für mehr Treibhausgasemissionen verantwortlich sind als pflanzliche Produkte ¬– und zwar in einem erheblichen Maße: Fast 70 Prozent der durch unsere Ernährung freigesetzten Treibhausgase stammen von tierischen Produkten, pflanzliche Lebensmittel machen nur knapp ein Drittel aus. Dabei verbrauchen Fleisch- und Milchprodukte 83 Prozent unseres Ackerlandes – vor allem für den Anbau von Futter. Tierische Lebensmittel decken jedoch nur 18 Prozent unseres Energiebedarfs. Die Kosten für diesen geringen Nutzen sind somit enorm. Das zeigt eine Studie der University of Oxford 2018.

„60% der Treibhausgase aus der Landwirtschaft könnten vermieden werden.“*

*laut einer Studie der University of Oxford, in der es darum geht, was passieren würde, würden sich alle Menschen vegan ernähren.

 

Der Anteil an den gesamten Treibhausgasemissionen ist ebenfalls nicht wegzureden. Jonathan Safran Foer schreibt in seinem Buch „Eating Animals“ im Jahr 2009: „According to the UN, the livestock sector is responsible for 18 percent of greenhouse gas emissions, around 40 percent more than the entire transport sector – cars, trucks, planes, trains and ships – combined”. Das bedeutet, dass der Flug nach Thailand für das Klima lange nicht so schlimm ist, wie die tägliche Ernährung mit Tierprodukten.
Die Zahlen variieren in den verschiedenen Studien. Je nachdem, ob nur direkte Emissionen oder auch indirekte, beispielsweise durch die Rodung von Wäldern für zusätzliches Ackerland zum Anbau von Futter für die Tiere, hinzugezogen werden, kommen die Studien zu unterschiedlichen Schlüssen. Einheitlich ist jedoch eine Schlussfolgerung: Dass gerade die Tierhaltung dem Klima schadet und einen wesentlichen Anteil am Fortschreiten des Klimawandels hat.

Wodurch kommt es zu großen Treibhausgasemissionen?

Schild weist den Weg zum Bauernhof mit Kühen
Wiederkäuer wie Rinder setzen besonders viel klimaschädliches Methan und Lachgas freisetzen. (Foto: Kira Jacobs)

Das wohl bekannteste Treibhausgas ist CO2, also Kohlenstoffdioxid. Das Gas wird etwa bei der Verbrennung fossiler Brennstoffe, wie Kohle, freigesetzt. Zu den Treibhausgasen zählen jedoch auch weitere Stoffe. Darunter sind Methan und Lachgas, die unmittelbar bei der Haltung von Wiederkäuern, insbesondere Rindern, sowie bei der Mineraldüngung und dem Nassreisanbau freigesetzt werden. N2O, die chemische Formel für Lachgas, ist rund 300-mal so klimaschädlich wie CO2, Methan mit der Formel CH4 25-mal.
2015 stammten nach Zahlen des Umweltbundesamtes in Deutschland 58 Prozent der gesamten Methan-Emissionen und sogar 81 Prozent der Lachgas-Emissionen aus der Landwirtschaft.

Ebenfalls problematisch ist die Rodung von Wäldern für die Gewinnung neuer Ackerflächen, die insbesondere für den Futterbedarf der Viehzucht benötigt werden.

Was kann ich tun?

Eine wichtige Rolle im Kampf gegen den Klimawandel spielen neue Technologien: Elektromobilität, die Energiegewinnung aus Wind und Sonne und vieles mehr. Doch die Entwicklung dauert lange, genau wie das Umdenken der Menschen, die sich von altbewährten Systemen abwenden sollen, um auf klimafreundlichere Technologien umzusteigen – ob als Unternehmen oder als Privatperson. Es wird noch Jahre dauern, bis unser Strom zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien stammt. Das heißt aber noch lange nicht, dass wir jetzt herumsitzen und dabei zusehen müssen, wie wir Jahr für Jahr extremen Wettersituationen ausgesetzt sind: Überschwemmungen, Dürre, Hitze und Monsunregen.

Vielmehr kann jeder einen wichtigen Beitrag leisten und Verantwortung für unsere Erde übernehmen: Durch den Verzicht auf tierische Produkte. Die Produktion von Fleisch, Milch, Eiern und weiteren tierischen Lebensmitteln lässt sich so senken und die Treibhausgasemissionen durch die Herstellung von Fleisch- und Milchprodukten einschränken. Auch die University of Oxford kam in ihrer Studie zu dem eindeutigen Schluss, dass es nichts Effektiveres gebe, als weniger Tierprodukte zu konsumieren, um das Klima zu schützen.
Natürlich ist es nicht mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein, wenn eine einzelne Person seine Ernährung umstellt. Dessen bin ich mir sehr bewusst. Doch oft geht damit auch ein Umdenken des Freundes- und Bekanntenkreises einher. Ich selbst bin erst zur Vegetarierin geworden, nachdem mein Freund mich dazu angeregt hat und mir vorgelebt hat, dass es gut funktioniert.

Dieses Phänomen spiegelt sich erfreulicherweise auch deutschlandweit wieder: Der Trend zum Veganismus und Vegetarismus ist steigend. Der VEBU ging im Jahr 2015 von 7,8 Millionen Vegetariern in Deutschland aus – das sind rund 10 Prozent der Bevölkerung. In manchen anderen Ländern ist der Vegetarismus deutlich verbreiteter. Indien ist der unangefochtene Vorreiter mit einem Bevölkerungsanteil von 38 Prozent, der sich vegetarisch ernährt. Weltweit gibt es jedoch auch entgegengesetzte Trends: Insbesondere im asiatischen Raum findet eine westlichere Ernährungsweise Einzug, sodass es hier vereinzelt eine Umstellung von Vegetariern hin zu einer Ernährung mit Fleisch gibt. Dennoch ist der weltweite Trend unterm Strich positiv. Schätzungen zufolge gibt es weltweit über eine Milliarde Menschen, die sich vegetarisch ernähren.

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