Obst mit Dellen - zahl was es dir wert ist
Ernährung & Umwelt

Lebensmittelverschwendung – ein Überblick

Umweltschutz bedeutet unter anderem, nur das zu konsumieren und nur das herzustellen, was wir tatsächlich benötigen. Produkte, die ungenutzt im Müll landen, belasten unsere Erde und ihr Klima unnötig. Daher widme ich mich einer Art der Verschwendung, die elementar ist, da sie einen unserer Grundbedürfnisse betrifft: Essen.

Umweltkosten

Je mehr Lebensmittel wir wegschmeißen, desto mehr müssen wir produzieren, um alle Menschen ernähren zu können. Und je mehr wir produzieren, umso höher die Umweltkosten, die in der Herstellung entstehen, etwa durch den Bedarf an Flächen für den Anbau von Pflanzen für Nahrung und Futter. Infolgedessen steht weniger Platz für Natur, also für natürliche Ökosysteme zur Verfügung. Hinzu kommt die enorme Belastung von Umwelt, Wasser, Tieren und Menschen durch Pestizide, die in der industriellen Landwirtschaft eingesetzt werden. Ebenfalls ein großer Faktor ist der Wasserbedarf, etwa für die Bewässerung von Feldern oder für die Reinigung von Lebensmitteln. Und nicht zuletzt befinden wir uns in einem globalen Markt: Lebensmittel werden um die ganze Welt geflogen, verschifft und gefahren – was entsprechende Treibhausgasemissionen zur Folge hat.

Soziale Verantwortung

Neben der Belastung für unsere Umwelt kommt noch ein weiterer Aspekt hinzu. Ich empfinde es geradezu als makaber, dass wir Konsument*innen, aber auch bereits in der Verarbeitung und in der Ernte riesige Mengen essbare Lebensmittel wegwerfen, während andere Menschen Hunger leiden und teils an den Folgen von Mangelernährung sterben. Laut dem Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) gibt es weltweit mehr als 800 Millionen Menschen, die Hunger leiden, mehr als 1,6 Milliarden Menschen sind fehl- bzw. mangelernährt.

Natürlich stehen durch Einsparungen durch reiche Haushalte, durch Produzenten, Verarbeiter und die Gastronomie nicht automatisch mehr Lebensmittel dort zur Verfügung, wo sie so dringend benötigt werden. Doch würden sich durch eine geringe Lebensmittelverschwendung in Kombination mit einer Umverteilung neue Möglichkeiten ergeben. Noch mehr Potenzial steckt darin, Landwirtschaft neu zu denken (ein komplexes Thema, auf das ich an dieser Stelle aus Platzgründen nicht weiter eingehen möchte).

Ökonomischer Faktor

Neben moralischen Gründen gegenüber Mensch und Umwelt kommt auch ein ökonomischer Faktor hinzu: Denn sowohl für die herstellenden, verarbeitenden und verkaufenden Unternehmen als auch für die Privathaushalte und die Gastronomie sind Lebensmittelverluste Geldverluste. Wir werfen letztlich Geld in den Müll.

Hintergrundinformationen: In welchen Bereichen verschwenden wir Lebensmittel?

Allgemein

In Deutschland landen insgesamt zwölf Millionen Tonnen Lebensmittel pro Jahr im Müll (Stand 2015, laut BMEL). Das ergab eine Untersuchung, die der Regierung als Basis dient, um das Ziel, Lebensmittelverschwendung bis 2030 auf die Hälfte zu reduzieren, überprüfen zu können. Zu beachten sind bei dieser Untersuchung gleich mehrere Dinge: Zum einen sind in den verschiedenen Bereichen Außer-Haus-Verzehr, Handel, Verarbeitung, Landwirtschaft und Haushalte unterschiedliche Methoden zur Erfassung der Lebensmittelabfälle eingesetzt worden, da die Daten im Nachhinein gesammelt wurden. Das bedeutet auch, dass die Zahlen teils von der Realität abweichen können. Zum anderen sind in der Studie genau genommen nicht alle Lebensmittelabfälle berücksichtigt. Wenn wir Lebensmittel aus dem Ausland importieren, werden sie erst in Deutschland mitgerechnet, also wenn sie hier auf einem Teller – oder im Müll – landen und nicht bereits ab dem Anbau bzw. der Zucht. Auch Futtermittel und insbesondere Futterpflanzen, die auch von Menschen verzehrbar wären, und Verluste im Anbau und der Verarbeitung dieser werden nicht einberechnet, weder im Inland noch im Ausland.

Trotz der nicht alles umfassenden Erhebung fielen 2015 im Durchschnitt 75 Kilogramm Lebensmittelabfälle pro Einwohner*in an.

Lebensmittelverschwendung in Deutschland
Darstellung in Anlehnung an die Daten des Thünen-Reports

Lebensmittelverschwendung auf dem Acker

Die Verschwendung der Lebensmittel beginnt bereits beim Anbau. In Deutschland machen Verluste in der Primärproduktion 1,4 Millionen Tonnen aus, was einem Anteil von 12 Prozent an den gesamten Lebensmittelabfällen entspricht (Stand: 2015). Einberechnet sind hier etwa Verluste beim Transport und bei der Lagerung, durch Überproduktionen und Aussortieren durch Standards, die ein Produkt nicht erfüllt.

Nicht einberechnet sind Verluste bei Erntearbeiten und Tiere, die bereits in der Zucht und der Mast sterben, ehe sie den Schlachthof erreichen konnten. Wenn man bedenkt, dass beispielsweise bei Masthühnern in Massentierhaltung fünf bis sieben Prozent während der Mastzeit, also während der 28 bis 42 Lebenstage, sterben, ist das ein erheblicher Faktor, der ausgelassen wird.

Lebensmittelverschwendung in der Verarbeitung

In der Regel werden Lebensmittel weiterverarbeitet, ehe sie in den Verkauf kommen – zu Joghurt, Süßigkeiten, Mehl, Salami und so weiter. Bei diesen Prozessen können Lebensmittel beschädigt werden, technische Störungen auftreten oder Verluste durch Verarbeitungsfehler entstehen. Auf diese Weise summiert sich der Verlust an Lebensmitteln in Deutschland auf 2,2 Millionen Tonnen pro Jahr auf, was einem Anteil von 18 Prozent entspricht.

Lebensmittelverschwendung im Verkauf

Im Verkauf angekommen, können wieder eine ganze Reihe von Umständen und Fehlern dazu führen, dass Lebensmittel entsorgt werden: zu große Bestellungen, sodass die Lebensmittel nicht verkauft werden, beschädigte Verpackungen oder auch eine unterbrochene Kühlkette.

Dieser Anteil ist in Deutschland mit 0,5 Millionen Tonnen bzw. vier Prozent Anteil an der Lebensmittelverschwendung vergleichsweise gering.

Lebensmittelverschwendung in der Gastronomie

Zu große Portionen, die den Appetit der Gäste übersteigen, und Fehlkalkulation bei den Bestellungen zählen neben weiteren zu den Ursachen bei der Lebensmittelverschwendung in der Gastronomie. 2015 belief sich die Menge weggeworfener Lebensmittel bei der Verpflegung außer Haus auf 1,7 Millionen Tonnen und 14 Prozent Anteil an der gesamten Lebensmittelverschwendung in Deutschland.

Lebensmittelverschwendung im privaten Haushalt

Den Löwenanteil an der Lebensmittelverschwendung in Deutschland machen private Haushalte aus. Wenn wir zu viel einkaufen, zu große Portionen kochen, Lebensmittel schlecht werden, uns ein Produkt nicht schmeckt, landen Lebensmittel in den heimischen Biotonnen. Hierbei entsteht die unfassbare Menge von 6,1 Millionen Tonnen weggeworfenem Essen pro Jahr. Das ist ein Anteil von 52 Prozent der Lebensmittelverschwendung.

Lösungsansätze

So sieht die Ausgangslage aus. Glücklicherweise gibt es viele verschiedene Lösungsansätze, die an verschiedenen Stellen der Verschwendung anknüpfen. Das Ziel des BMEL ist, bis 2030 die Lebensmittelverschwendung zu halbieren.

Logo Zu gut für die Tonne
Quelle: BMEL / Initiative „Zu gut für die Tonne“

Initiative „Zu gut für die Tonne“

„Zu gut für die Tonne“ ist eine Informationskampagne des BMEL, die es seit 2012 gibt. Durch sie möchte das Ministerium in erster Linie Aufmerksamkeit für die Lebensmittelverschwendung schaffen, für den Handlungsbedarf sensibilisieren und Hilfestellung geben bei Bestrebungen, Lebensmittelabfälle zu reduzieren.

Logo von Sirplus
Quelle: SIRPLUS

SIRPLUS

SIRPLUS ist ein junges Unternehmen, das Lebensmittel von Landwirten, Produzenten und Großhändlern sammelt und diese dann in ihren „Rettermärkten“ und online vertreibt. Verbraucher*innen können diese also kaufen. Die Lebensmittel stammen aus Überproduktion, haben Schönheitsfehler oder stehen kurz vor Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums.

Logo von foodsharing
Quelle: fodsharing e.V.

foodsharing e.V.

foodsharing ist ein kostenloses Angebot, das komplett unabhängig von Geld ist. Dort können sich Privatpersonen registrieren, um eigene überschüssige Lebensmittel entweder direkt an eine andere Person oder an einen „Fairteiler“ abzugeben, wo solche Lebensmittel zentral gesammelt und von anderen, auch nicht bei foodsharing registrierten, Personen abgeholt werden können. Außerdem können registrierte Personen Lebensmittel von teilnehmenden Lebensmittelmärkten abholen. Zu einem täglich gleichen Zeitpunkt werden aussortierte Lebensmittel herausgestellt und von den Essensretter*innen mitgenommen.

Logo von too good to go
Quelle: Too good to go

Too good to go

Too good to go nimmt Lebensmittelverschwendung in Gastronomien in Angriff: Wenn kurz vor Ladenschließung beispielsweise noch Sandwiches übrig sind, die dann entsorgt werden müssen, kann das Unternehmen diese in einer App einstellen. Nutzer*innen der App sehen dann, welche Mahlzeiten wo übrig sind und können sie für einen vergünstigten Preis kaufen.

UXA App

Die App bietet Privatpersonen die Möglichkeit, zu viel gekaufte Lebensmittel zu verschenken. Man stellt ein Foto ein, gibt das Mindesthaltbarkeitsdatum an und kann dann das Produkt Menschen in der Umgebung zur Abholung anbieten. Per Chat können Anbieter*in und Abholer*in dann eine Zeit und einen Ort vereinbaren, um die Lebensmittel zu übergeben.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.