Herbstbäume an einem sonnigen Tag am Wiesenrand
Ernährung & Umwelt

Google ist nicht alternativlos

Ecosia – wie eine Suchmaschine Bäume pflanzt

Google ist DIE Suchmaschine. Allein die Tatsache, dass eine suchmaschinenbasierte Suche als „googeln“ bezeichnet wird und dieses Verb tatsächlich Eingang in den Duden gefunden hat, macht die enorme Bedeutung des Megakonzerns deutlich, der in diesem Jahr 20 Jahre alt wurde. Sieht man sich die Marktanteile von Suchmaschinen an, wird deutlich, warum sich nicht „yahoon“ oder „bingen“ in unserem Wortgebrauch durchgesetzt haben. Weltweit nimmt Google über 86 Prozent des Marktanteils für Suchmaschinen am Desktop ein. In Deutschland sind es unwesentlich weniger, nämlich 85,78 Prozent. Für die mobile Suche sind es unfassbare 98,39 Prozent. Eine ernsthafte Konkurrenz hat Google dabei nicht, lediglich Bing und Yahoo haben einen erwähnenswerten Marktanteil mit rund 6,5 Prozent und drei Prozent weltweit.

Google steht immer wieder öffentlich in der Kritik

Dabei gibt es viele Gründe, die Arbeitsweise von Google zu kritisieren. Eine derartige Machtstellung, über die Google verfügt, gibt dem Internetriesen die Möglichkeit, den Markt zu bestimmten. Die Bedingungen etwa für suchmaschinenbasierte Werbung oder dafür, welche Seite in den Suchergebnissen weit oben erscheint und welche nicht, legt Google fest. Erst im Sommer war das Unternehmen aufgrund seiner starken Marktposition wieder in den Schlagzeilen. Dabei ging es um Googles Betriebssystem für Smartphones: Android. In den Verträgen mit den Herstellern von Android-Geräten wurden jene verpflichtet, das Gesamtpaket der Google Apps vorzuinstallieren. Damit befanden sich der Google Play Store, Google Maps, Google Chrome und viele weitere Apps bereits auf dem Handy, wenn es zum Verkauf angeboten wurde. So sicherte sich Google seine wichtige Marktstellung in diesem Bereich und unterband die Möglichkeit, dass konkurrierende Apps vorinstalliert werden konnten. Die EU-Kommission verhängte eine Rekordstrafe von 4,43 Milliarden Euro aufgrund dieses Vorgehens.

Google steht ebenfalls immer wieder in der Kritik, da der Konzern riesige Mengen an Daten sammelt. Nutzerspezifische Daten, etwa über das Surfverhalten, sind ein wertvolles Gut der heutigen Zeit. Sie ermöglichen es Google beispielsweise, Nutzern personalisierte Werbung anzuzeigen. Die Daten, über die Google verfügt, müssen jedoch auch besonders geschützt werden, was nicht immer gelingt: Erst in dieser Woche wurde bekannt, dass rund 500.000 Profile des Netzwerks Google Plus wahrscheinlich von einem Datenleck betroffen waren. Dabei erhielten App-Entwickler Zugriff auf Profil-Daten der Nutzer – und zwar bereits seit dem Jahr 2015. Das Leck wurde im Frühling 2018 entdeckt, Google informierte die Öffentlichkeit jedoch nicht. Dass die Nutzerdaten jahrelang zugänglich waren, wurde erst jetzt, im Oktober, bekannt.

Ein weiterer Grund, warum Google öffentlich kritisiert wird, sind darüber hinaus die geringen Steuerabgaben, die das Unternehmen zahlt. Neben einem Wettbewerbsvorteil gegenüber Konkurrenten stellt sich dieses Verhalten auch als Nachteil für die einzelnen Staaten dar, da die Steuereinnahmen für Infrastruktur, Bildungswesen und viele weitere Zwecke genutzt werden könnten.

Logo von Ecosia
Ecosia ist eine Suchmaschine, die ihre Gewinne zur Bepflanzung in ausgewählten Regionen nutzt. (Foto: Ecosia)

Eine alternative Suchmaschine – Ecosia

All diese Kritikpunkte stellen nur einen Ausschnitt der jeweiligen Bereiche dar. Wer die gesamte Kritik an Google zusammentragen würde, könnte sicherlich ein ganzes Buch füllen. Doch schon dieser kurze Überblick zeigt: Wir sollten uns über Alternativen zu Google Gedanken machen. Einen Anfang kann man bei der Wahl der Suchmaschine machen.

Ecosia ist eine Suchmaschine, die genau wie Google mit einem Algorithmus arbeitet, um je nach Suchanfrage relevante Ergebnisse auszuspielen. Für den Nutzer ergeben sich kaum Unterschiede in der Bedienung. Die Suchergebnisse sehen sogar in der visuellen Darstellung denen von Google verblüffend ähnlich. Doch an dieser Stelle hören die Gemeinsamkeiten wohl auch schon auf.

Ecosia hat bereits fast 40 Millionen Bäume gepflanzt

Christian Kroll gründete das Social Business Ecosia Ende 2009 in Berlin. Die Vision: Einen Beitrag zur Aufforstung entwaldeter Regionen leisten, um nicht nur Verantwortung im Umweltschutz zu übernehmen, sondern auch um die dort lebenden Menschen zu unterstützen. Zur Umsetzung dieses Plans investiert Ecosia seinen Gewinn zur Pflanzung von Bäumen in ausgewählten Regionen. Die Einnahmen stammen aus den Suchergebnissen, denn wie Google spielt auch Ecosia nicht nur organische Suchergebnisse bei einer Suchanfrage aus, sondern zusätzlich bezahlte Anzeigen.

Erklärung, wie Ecosia Einnahmen nutzt, um Bäume zu pflanzen
So erklärt Ecosia seine Arbeitsweise. (Foto: Ecosia)

Für die Aufforstung arbeitet Ecosia vielerorts mit Partnern zusammen, in Brasilien zum Beispiel mit „The Nature Conservancy“, um entwaldete Uferbereiche wieder zu bepflanzen. Insgesamt fördert das Unternehmen derzeit Projekte in Haiti, Nicaragua, Kolumbien, Peru, Brasilien, Marokko, dem Senegal, Burkina Faso, Ghana, Äthiopien, Kenia, Uganda, Tansania, Madagaskar und Indonesien.

Transparenz: Finanzberichte werden offengelegt

Ein weiterer Pluspunkt, den Ecosia verzeichnen kann, ist seine Transparenz. So werden nicht nur ständig aktuelle Informationen zu den unterstützten Gebieten bereitgestellt, sondern Nutzer können auch nachverfolgen, wie viele Bäume tatsächlich gepflanzt wurden. Zum Zeitpunkt meiner Recherche waren es fast 40 Millionen Bäume, für deren Pflanzung das Unternehmen über 6,6 Millionen Euro bereitgestellt hatte.

Zusätzlich sind monatliche Finanzberichte von Ecosia öffentlich einsehbar, in denen die Ausgaben nach den Bereichen Betriebsausgaben, Werbung, Pflanzen von Bäumen und Rücklagen aufgeschlüsselt werden. In den einzelnen Bereichen werden weitere Informationen bereitgestellt, wie die Ausgaben für Gehälter, Büromiete und Reisekosten. Die Finanzberichte belegen somit, wie viel Geld tatsächlich investiert wurde. Im Juli 2018 betrug der Anteil der Gesamteinnahmen, die in die Aufforstung flossen,  45,7 Prozent – also 319.127 Euro. Als weiterer Beleg für ihre Arbeit legt Ecosia seinen Finanzberichten außerdem Baumpflanzbescheinigungen bei.

Ecosia ist somit meiner Meinung nach ein Unternehmen, das man unbedingt unterstützen sollte. Die Umsetzung ist dabei denkbar einfach: Ecosia als Standard-Suchmaschine am Laptop, PC und Handy festlegen und los geht’s!

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