Obst in nachhaltigen Einkaufsnetzen aus Stoff
Ernährung & Umwelt

Konsumverhalten reflektieren: 11 Tipps für ein umweltbewussteres Leben

Wenn jeder von uns sein Leben ein klein wenig verändert, können wir schon eine Menge erreichen. Wenn jeder von uns in sich geht und überlegt, an welchen Stellen er oder sie umweltbewusster und nachhaltiger handeln könnte, ohne dass es schwer fällt, macht das einen Unterschied.

Man muss nicht immer sein ganzes Leben auf den Kopf stellen und ein perfektes, nachhaltiges Leben führen. Das ist meiner Meinung nach ein zu hoher Anspruch, dem keiner gerecht werden kann. Doch jeder, wirklich jeder kann sein eigenes Verhalten, seine Gewohnheiten reflektieren. Man sollte sich fragen: An welchen Stellen kann ich verantwortungsvoller handeln? Wo kann ich weniger Müll verbrauchen, Wasser sparen und die Emission von Treibhausgasen reduzieren?

In diesem Beitrag möchte ich Euch ein paar Beispiele geben. Manche von den Möglichkeiten setze ich selbst um. Die Liste ist natürlich alles andere als vollständig und darf gerne von Euch ergänzt werden.

#1 Mehrwegbecher für den Coffee to go

Auf dem Weg zur Bahn noch schnell einen Kaffee kaufen und ihn unterwegs trinken. Dank Coffee to go gibt es den Wachmacher auch für unterwegs. Problematisch daran sind die Einwegbecher mit Plastikdeckel, die nach einmaligem Benutzen schon ausgedient haben und im Müll landen – oder schlimmstenfalls in der Umwelt. Nach Berechnungen der Deutschen Umwelthilfe verbrauchen die Deutschen jährlich fast drei Milliarden Mehrwegbecher. Die verschwenderische Nutzung der Coffee-to-go Becher ist ein Sinnbild für unsere übermäßige Müllproduktion geworden.

Wer möchte, kann sich einen eigenen, abwaschbaren to-go Becher kaufen und sich den Kaffee zum Mitnehmen direkt in diesen füllen lassen. Wer nicht ständig einen Becher mit sich herumtragen möchte, kann Pfandbecher nutzen. Das Unternehmen Recup hat ein Pfandsystem entwickelt, bei dem der Käufer seinen Kaffee gegen einen Pfand in einem wiederverwertbaren Becher erhält. Hat man den Kaffee ausgetrunken, geht man einfach ins nächste teilnehmende Café, gibt den Becher wieder ab und erhält den Pfand zurück. Dort werden die Becher gereinigt und wieder genutzt.

Eine 24/7 Aluflasche wird unter einem Wasserhahn mit Leitungswasser gefüllt
Kisten schleppen? Pfand wegbringen? Wer Leitungswasser trinkt, muss sich darüber keine Gedanken machen. (Foto: Kira Jacobs)

#2 Wasser aus dem Wasserhahn statt aus der Plastikflasche

Es gibt unfassbar viele Mineralwasser-Marken wie Vilsa, Gerolsteiner, Volvic, Saskia oder Vittel. Die Unternehmen vermitteln uns in Werbekampagnen, wie herrlich frisch ihr Wasser ist und aus welch unberührter Natur das Wasser entnommen wird. Leicht kommt man zu dem Schluss, dass nur Mineralwasser ein guter Durstlöscher sein könne. Dabei müssen wir nur den Wasserhahn aufdrehen, um hochwertiges Trinkwasser zu erhalten.

Wer Leitungswasser statt Mineralwasser trinkt, handelt auf mehreren Ebenen nachhaltiger: Zunächst wird das Leitungswasser stets regional geschöpft, während Mineralwasser international gehandelt wird und daher über weite Distanzen transportiert wird, um zum Verbraucher zu gelangen. Zudem holen Unternehmen wie Nestlé zu viel Wasser aus einzelnen Quellen, sodass der Grundwasserspiegel sinkt und die betroffenen Regionen mit Umweltfolgen zu kämpfen haben (an dieser Stelle kann ich die Dokumentation „Bottled Life“ sehr empfehlen).

 

Hinzu kommen natürlich die Verpackungen, in die das Wasser gefüllt wird. Sie sorgen für enorme Mengen Müll und verbrauchen bei der Herstellung sowie bei der Verwertung Wasser. Rund 450.000 Tonnen Müll durch PET-Flaschen erzeugen wir jährlich. Ein Teil davon wird zu neuen Flaschen weiterverarbeitet, ein weiterer Teil wird zur Herstellung von Fasern und Folien genutzt. Rund 20 Prozent exportiert Deutschland. Und ein Rest – knapp zehn Prozent – wird verbrannt. Dieses gesamte System wäre eigentlich gar nicht nötig, wenn wir Leitungswasser trinken würden, anstatt Mineralwasser zu kaufen. Zuhause kann man aus einem Glas trinken, für unterwegs eignen sich Soulbottles oder Alu-Flaschen, die man mit ein bisschen Pflege jahrelang nutzen kann.

Nicht zuletzt ist es auch viel günstiger, Wasser aus der Leitung zu trinken: 0,2 Cent zahlen wir durchschnittlich für einen Liter Leitungswasser. Jedem, der schon einmal Wasser eingekauft hat, ist wohl klar, dass das Mineralwasser um ein Vielfaches teurer ist.

#3 Waschbare Wattepads

Gerade für Frauen sind waschbare Wattepads eine echte Alternative zu den üblichen Pads, die man nur einmal benutzt. Die waschbaren Wattepads, die eigentlich gar nicht aus Watte bestehen, gibt es von verschiedensten Herstellern. Ich selbst habe mir erst vor Kurzem welche gekauft. Zum Abschminken muss ich sie nur mit lauwarmem Wasser nass machen. Danach kann ich sie einfach in einem kleinen Waschbeutel mit anderer Wäsche bei 60 bis 90 Grad Celsius in der Waschmaschine waschen. Langfristig ist das sogar günstiger, die Wattepads halten normalerweise mehrere Jahre.

Waschbares Wattepad
Waschbare Wattepads verursachen weniger Müll als herkömmliche Wattepads. (Foto: Kira Jacobs)

#4 Fahrrad fahren statt Auto

Natürlich lässt sich nicht jede Strecke mit dem Fahrrad zurücklegen. Gerade für Berufspendler ist der Weg zur Arbeit schlicht zu weit, um ihn mit dem Fahrrad zu fahren. Auch Statistiken zeigen, dass das Auto im Alltag eine größere Rolle spielt als das Fahrrad. 76 Prozent der Deutschen fahren mehrmals wöchentlich Auto, das Fahrrad nutzen nur 38 Prozent so häufig. Insbesondere in Kleinstädten und ländlichen Regionen fahren die Menschen häufiger Auto als Fahrrad im Vergleich zu den Menschen in Großstädten.

Doch ich bin der festen Überzeugung, dass das Fahrrad insbesondere für Kurzstrecken, beispielsweise für den Weg ins Fitnessstudio oder zum Einkaufen, noch wichtiger werden kann. Nun muss ich mir an die eigene Nase fassen, denn auch ich habe jahrelang für Kurzstrecken das Auto genommen, anstatt mit dem Fahrrad zu fahren. Einfach, weil es bequemer war und ich es zugleich gewohnt war, viel Auto zu fahren, da ich mit diesem während meines Studiums zur Hochschule gependelt bin. Inzwischen lege ich alle Kurzstrecken mit dem Fahrrad zurück, was am Anfang ungewohnt war, ich mittlerweile jedoch sehr genieße.

Die Vorteile liegen auf der Hand: Wenn wir weniger Auto fahren, setzen wir weniger Treibhausgase frei. Zugleich könnte sich die Verkehrssituation in vielen Städten entspannen, da weniger Autos auf den Straßen wären, wenn mehr Menschen Fahrrad fahren würden. Doch auch der Fahrer selbst profitiert: Regelmäßiges Fahrradfahren verbessert die Fitness und kann vorbeugend gegen Übergewicht und zahlreiche Erkrankungen wirken. Ein weiterer positiver Effekt: Man bringt den Kreislauf in Schwung und wird (gerade morgens auf dem Weg zu Arbeit) viel wacher.

#5 Spontan-Shopping hinterfragen

Wir leben in einer Gesellschaft, in der wir uns ständig neue Gegenstände kaufen. Jedes dieser Konsumgüter hat einen eigenen CO2-Abdruck und Wasserverbrauch, verursacht bei der Herstellung, dem Transport sowie dem Vertrieb. Uns geht es in Deutschland so gut, dass wir uns Dinge kaufen können, die wir gar nicht brauchen. Wer hat nicht schon mal ein Kleidungsstück oder ein Küchengerät gekauft, das dann irgendwo im Schrank verschwand und nie getragen oder genutzt wurde? Solche Fehlkäufe lassen sich vermeiden, indem man sich beim Einkaufen immer fragt: Brauche ich diesen Gegenstand wirklich? Werde ich ihn nutzen?

Gerade die Modebranche ist extrem schnelllebig geworden. Mehrere neue Modekollektionen bringt jede Marke, jedes Kleidungsgeschäft jährlich heraus. Statt langlebige Kleidung zu kaufen, die wir auch in fünf Jahren noch gerne tragen werden, entscheiden wir uns lieber für einen Modetrend, der in wenigen Monaten schon gar nicht mehr angesagt sein wird und eigentlich auch gar nicht so richtig zu uns passt.

Wer beim Einkaufen neuer Kleidung und anderer Gegenstände nachhaltiger handeln will, sollte vor dem Kauf darüber nachdenken, ob er oder sie sie wirklich benötigt und über einen längeren Zeitraum hinweg nutzen wird. Nur, wenn sich diese Fragen mit „Ja“ beantworten lassen, sollte man sie tatsächlich kaufen.

Packung einer Haarkur ohne Mikroplastik
Einige Hersteller informieren den Verbraucher auf der Verpackung darüber, dass sie auf Mikroplastik verzichten – wie bei dieser Haarspülung. (Foto: Kira Jacobs)

#6 Genau hinsehen bei Kosmetikprodukten

Viele Peelings, aber auch Haarkuren, Shampoos und andere Kosmetikprodukte enthalten Mikroplastikteilchen. Das muss gar nicht sein: Es gibt zahlreiche Alternativen, die auf den Einsatz von Mikroplastik verzichten. In der Regel werden solche Produkte auch entsprechend gekennzeichnet. Also: Recherchiert doch mal die Kosmetikartikel, die ihr normalerweise nutzt, und probiert gegebenenfalls doch einfach mal etwas Neues aus!

#7 Weniger tierische Produkte essen

Tierische Produkte belasten die Umwelt bei ihrer Herstellung stärker als pflanzliche Lebensmittel (Wenn du mehr darüber erfahren möchtest, findest du hier einen Blog-Beitrag zu den Auswirkungen unserer Ernährung auf das Klima). Daher kannst du auch mit deiner Ernährung zum Klimaschutz beitragen. Es gibt unfassbar viele abwechslungsreiche, rein pflanzliche Gerichte und für so ziemlich jedes klassische Fleisch-Gericht auch vegetarische und vegane Alternativen. Einfach mal ausprobieren!

#8 Kaufe Lebensmittel regional und saisonal

Es ist nicht nur entscheidend, welche Art an Lebensmitteln du isst, sondern auch, woher sie kommen. Regionale Produkte sind nicht um die halbe Welt gereist, um auf deinem Teller zu landen. Gleichzeitig kannst du so den Bauernhof direkt vor Ort unterstützen.

Außerdem ist es gut, saisonal einzukaufen, da Obst und Gemüse außerhalb der Saison entweder aus entfernten Ländern importiert werden, in denen die jeweilige Pflanze gerade geerntet werden kann. Oder das Obst und Gemüse wird über Monate hinweg „frisch“ gehalten. So werden beispielsweise auch im Mai Äpfel aus Deutschland angeboten – diese werden im Herbst geerntet und in sauerstoffarmen, kühlen Lagern untergerbacht, bis es Zeit ist, sie zu verkaufen. Beide Varianten – sowohl der Import von Lebensmitteln als auch die Lagerung über lange Zeiträume – sind wenig ökologisch. Daher ist es am besten, wenn die Lebensmittel saisonal und regional gekauft werden.

#9 Obstnetze für deinen Einkauf

Inzwischen sieht man sie schon nicht mehr ganz so häufig, doch sie sind immer noch da: die Plastiktüten in den Gemüse- und Obstabteilungen der Lebensmittelmärkte. Oft sind die Produkte sogar schon vorverpackt. Hier lässt sich Verpackungsmüll sparen: Einfach die unverpackten Lebensmittel kaufen und diese nicht in die bereitstehenden Plastiktüten packen, sondern in einen Stoffbeutel oder ein Obstnetz. Solche gibt es günstig zu erwerben, manchmal kann man sie auch als Werbegeschenk ergattern. Stoffbeutel und Obstnetze lassen sich problemlos bei jedem Einkauf wieder benutzen und können einfach in der Waschmaschine gewaschen werden.

#10 Unverpacktläden

Was schon beim Obst und Gemüse auffällt, wird spätestens beim Kauf einer Packung Nudeln scheinbar unverzichtbar: Plastikverpackungen. Doch mittlerweile gibt es in vielen Städten Unverpacktläden. Einfach Tupperdose, Glas, Beutel oder Karton von zuhause mitbringen und die Lebensmittel ohne unnötige Einwegverpackung direkt in die eigene Aufbewahrungsbox füllen. Zum Sortiment solcher Läden zählen neben Obst und Gemüse oftmals Nudeln, Getreideflocken und auch Handseife oder Waschmittel zum Nachfüllen. Übrigens: Manche Läden halten für den Spontan-Einkauf kostenlose „Notfall“-Verpackungen bereit.

#11 Elektrogeräte ausschalten und nicht auf Standby

Es ist eine inzwischen etwas in die Jahre gekommene Forderung und doch nach wie vor aktuell: Elektrogeräte sollten ganz ausgeschaltet werden, wenn man sie gerade nicht nutzt. Im Standby-Modus verbrauchen sie weiterhin Strom. Das gilt für Fernseher genauso wie für Laptops und Küchengeräte. Die Umgewöhnung kann sich dann bei der Stromabrechnung sogar richtig lohnen.

In kleinen Schritten zum nachhaltigen Lebensstil

Die Liste zeigt, wie wir mit vollkommen alltäglichen Entscheidungen ein nachhaltigeres Leben führen können. Wer etwas verändern will, sollte über seine Gewohnheiten und sein Konsumverhalten nachdenken und umweltfreundlichere Alternativen ausprobieren. In kürzester Zeit hat man sich an die Veränderung gewöhnt und kann sich gar nicht mehr vorstellen, wieder zu seinem alten Verhalten zurückzukehren.

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