Offener Lippenstift und Mascara
Gesellschaft

Vegane Kosmetik – was bedeutet das?

Tag für Tag nutzen wir Kosmetika – zum Eincremen, Schminken, zum Duschen, Rasieren oder für die Haare. Doch was ist überhaupt in all den Produkten für unsere Körperpflege, Hygiene und unser Styling enthalten?

Da ich mich, seit ich mich vegan ernähre, nicht nur mit tierischen Inhaltsstoffen in Lebensmitteln beschäftige, sondern auch mit solchen in anderen Produkten, habe ich mich nun mit als vegan gekennzeichneter Kosmetik beschäftigt. Als mir das erste Mal entsprechend gelabelte Produkte aufgefallen sind, drängte sich mir die Frage auf, ob andere, gängige Kosmetikprodukte tatsächlich tierische Bestandteile enthalten oder ob sich „vegan“ in dem Fall auf den Verzicht auf Tierversuche bezieht. Um eine kurze Antwort vorweg zu geben: Ja, Kosmetikprodukte enthalten überwiegend Inhaltsstoffe tierischen Ursprungs.

Mögliche tierische Inhaltsstoffe in Kosmetika

Wer einen Blick auf die Inhaltsstoffe von Cremes, Shampoos, Puder oder Lippenstiften wirft, wird mit Fachbezeichnungen konfrontiert, die ohne zusätzliches Wissen kaum zu verstehen sind. Somit werden die meisten Konsumenten durch das schlichte Lesen der Produktinformationen nicht erfahren, ob sich tierische Inhaltsstoffe im Produkt befinden.

Um meine eigenen Kosmetikartikel genauer unter die Lupe zu nehmen, habe ich daher die App CodeCheck genutzt. Zwar achte ich, seit ich mich vegan ernähre, auch bei neu gekaufter Kosmetik auf eine entsprechende Kennzeichnung, doch habe ich noch einige Produkte aus der Zeit davor. Diese habe ich einzeln mithilfe von CodeCheck gescannt. Kritische Inhaltsstoffe eines Produkts werden in der App erklärt und entsprechend gekennzeichnet. Auch tierische Inhaltsstoffe werden extra aufgelistet.

Vegane und nicht-vegane Kosmetik
Nur eins der getesteten Produkte ist mit Sicherheit vegan hinsichtlich der Inhaltsstoffe. (Foto: Kira Jacobs)

Das Ergebnis der Analyse derjenigen Kosmetikartikel, die ich gekauft habe, ohne auf mögliche tierische Inhaltsstoffe zu achten, hat mich dann doch überrascht: Von 23 geprüften Produkten war gerade einmal eines – ein Mascara – mit Sicherheit vegan. Alle anderen haben definitiv oder potenziell Inhaltsstoffe tierischen Ursprungs.

Am häufigsten kamen Lanolin, Lanolin Alcohol oder Lanolin Oil vor. Darin befindet sich ein Stoff, der aus Schafswolle gewonnen wird, genauer gesagt aus dem Wollschweiß der Schafe. Enthalten war dieser etwa in einem Lippenstift von Rival de Loop, meinem Puder von Manhattan und in der Feuchtigkeitscreme Nivea Soft.

Ebenfalls erschreckend oft vertreten – nämlich in sämtlichen Lippenstiften – war der Farbstoff Karmin, oft gekennzeichnet als CI 75470. Karmin wird aus trächtigen Cochenilleschildläusen gewonnen, die mit Essig gewaschen und getrocknet werden, um anschließend in Wasser mit Schwefelsäure ausgekocht zu werden. Für rund 50 Gramm des roten Farbstoffs werden etwa 60.000 bis 100.000 Läuse benötigt.

Es gibt noch eine ganze Reihe weiterer Inhaltsstoffe tierischen Ursprungs, die in Kosmetika enthalten sein können. Beispielsweise wird Honig eine pflegende Wirkung für Haut und Haare nachgesagt. Eine umfassende Liste mit möglichen Inhaltsstoffen tierischer Herkunft und ihren entsprechenden Bezeichnungen findet man bei Peta.

Vegane Kosmetik erkennen

Nun ist es natürlich sehr aufwendig, jedes Mal alle Inhaltsstoffe einzeln zu prüfen, ehe man sich für oder gegen ein Produkt entscheidet. Für alle, die dennoch auf Kosmetik mit tierischen Bestandteilen verzichten möchten, kann ich daher zwei alltagstaugliche Möglichkeiten empfehlen:

CodeCheck – die App, die ich selbst genutzt habe, um meine Produkte zu testen – stellt eine große Datenbank bereit, in der sehr viele Produkte gelistet sind. Scannt man mit seinem Smartphone den Barcode eines Produkts ein, wird eine Übersicht angezeigt, aus der enthaltene Inhaltsstoffe ersichtlich sind, inklusive einer Einschätzung, welche der Stoffe beispielsweise hormonell wirksam sein können. Auch Mikroplastikbestandteile oder Palmöl werden gekennzeichnet. Zudem liefert die App immer eine Information darüber, ob das Produkt vegan ist. Auf diese Weise kann man einzelne Produkte in wenigen Sekunden prüfen. CodeCheck beschränkt sich dabei nicht nur auf Kosmetikartikel, sondern informiert unter anderem auch über Lebensmittel, einige Haushaltsartikel und Babyprodukte.

Die zweite Möglichkeit ist, auf Produkte umzusteigen, die auf der Verpackung oder an einem Preisschild als vegan gekennzeichnet sind. Hier gibt es verschiedene Siegel. Besonders häufig wird die Veganblume der Vegan Society verwendet, die neben Kosmetika beispielsweise Lebensmittel und Reinigungsmittel kennzeichnet, die frei von tierischen Bestandteilen sind. Produkte, die dieses Siegel tragen, erfüllen folgende Kriterien:

Shampoo, Duschgel und Haarspülung, gekennzeichnet mit der Veganblume
Produkte mit der Veganblume der Vegan Society. (Foto: Kira Jacobs)
  • Inhaltsstoffe: Die Produkte enthalten keinerlei tierischen Bestandteile, weder im Endprodukt, noch bei der Entwicklung. Das schließt auch tierische Nebenprodukte oder aus Tieren gewonnene Rohstoffe ein.
  • Tierversuche: Weder in der Entwicklung und Herstellung des Produkts noch bei der Prüfung der einzelnen Inhaltsstoffe dürfen Tierversuche zum Einsatz kommen, die durch das Unternehmen, in seinem Namen oder durch Beteiligte, über die das Unternehmen Kontrolle hat, durchgeführt wurden.
  • Gentechnik: Gentechnisch veränderte Bestandteile müssen auf der Verpackung gekennzeichnet werden. Außerdem dürfen gentechnisch veränderte Substanzen keine tierischen Gene oder Substanzen beinhalten, die aus Tieren gewonnen wurden.
  • Trennung zu nicht-veganen Produkten: Die Utensilien müssen mindestens gründlich und hygienisch gereinigt werden, wenn sowohl vegane als auch nicht-vegane Produkte hergestellt werden.

Dieses Siegel geht damit also noch einen Schritt weiter und legt nicht nur Bedingungen hinsichtlich der Inhaltsstoffe fest, sondern bezieht zusätzlich Tierversuche und Produktionsbedingungen mit ein. Ein weiteres gängiges Siegel ist das V-Label, das entweder mit „Vegan“ oder „Vegetarisch“ gekennzeichnet ist. Hier dürfen keine genetisch veränderten Organismen eingesetzt werden, die Hilfs- und Inhaltsstoffe dürfen nicht tierischen Ursprungs sein und das Endprodukt darf nicht an Tieren getestet werden.

Ich persönlich ziehe Produkte mit einem entsprechenden Vegan-Siegel nicht gekennzeichneten Produkten vor, um auch tierversuchsfreie Produkte zu kaufen und nicht nur auf tierische Inhaltsstoffe zu verzichten.

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